Die erste Schicht bleibt nicht liegen, eine Ecke hebt ab, oder die Düse zieht ein Nest aus Fäden. Fast jeder misslungene Druck scheitert in den ersten Minuten — an sechs Ursachen.
Düsenabstand: zu hoch, zu tief, richtig
Die erste Schicht wird nicht auf das Bett gelegt, sondern leicht hineingedrückt. Der Düsenabstand (Düse zu Bett in Schicht 1) ist deshalb die häufigste Ursache. Du siehst ihn an der Schicht selbst.
- Zu hoch: runde Linie, die nur auf einem schmalen Streifen aufliegt; Lücken zwischen den Bahnen, die sich mit dem Fingernagel verschieben lassen
- Zu tief: flach gequetschte Linie, Grate an den Rändern, raue Fläche, die Ecken rollen sich hoch
- Richtig: gleichmäßige, matte Fläche ohne Lücken und Grate
Fett: ein Fingerabdruck reicht
Hautfett, Handcreme und der Abrieb alter Drucke sind unsichtbar, bis die erste Schicht darüberläuft. An genau dieser Stelle haftet nichts.
- Glatte PEI-Platte (PEI: die Kunststoffbeschichtung der Platte): Isopropanol mit mindestens 90 % auf die kalte Platte, mit einem unparfümierten Papiertuch abwischen
- Texturierte PEI-Platte: warmes Wasser und Spülmittel mit einem Schwamm, weil Alkohol das Fett in den Vertiefungen verteilt, statt es zu lösen
- Kein Aceton auf texturierten oder satinierten Platten, es zerstört die Beschichtung; auf glattem PEI höchstens einmal im Monat
- Keine Hautpflegeprodukte, keine Küchentücher mit Lotion
Jedes Material hat seinen Temperaturbereich
Die Angaben der Hersteller streuen um etwa 10 °C, die Slicer-Profile liegen darin oder knapp darüber. Haftet ein schwieriges Material trotz sauberer Platte nicht, helfen 5 bis 10 °C mehr. Deutlich darüber wird die erste Schicht weich und breit — der Elefantenfuß.
- PLA 45 bis 65 °C — PrusaSlicer nimmt für die erste Schicht 60 °C, Bambu Studio 55 °C
- PETG 60 bis 80 °C — PrusaSlicer 85 °C; Bambu Studio 80 °C für allgemeines PETG, 70 °C für das eigene PETG Basic
- TPU 35 bis 45 °C
- ABS und ASA 90 bis 100 °C — PrusaSlicer 105 °C bei ASA
Die erste Schicht braucht Zeit
Die Slicer drucken sie darum langsam, weit unter dem Tempo der übrigen Schichten. Wer die Geschwindigkeit global erhöht hat, nimmt ihr diese Zeit. Der Bauteillüfter bleibt in den ersten Schichten aus, damit das Material warm auf dem warmen Bett ankommt.
- Tempo der ersten Schicht: Bambu Studio 50 mm/s, Cura 30 mm/s, PrusaSlicer je nach Drucker 20 bis 45 mm/s (MINI 20, MK4S 40)
- Lüfter in PrusaSlicer: bei PLA erst ab der zweiten Schicht, bei PETG ab der vierten, bei ASA ab der fünften
Hebt eine Ecke ab, schwindet das Material
Löst sich nicht die ganze Fläche, sondern eine Ecke, ist die Ursache nicht das Bett. Das Material zieht sich beim Abkühlen zusammen, jede Schicht ein wenig, und die Summe hebt die Ecken hoch — das Warping. ABS, ASA und PC sind dafür anfällig, PLA und PETG deutlich weniger.
Ein offenes Fenster, ein Ventilator oder eine kalte Werkstatt vergrößern den Unterschied zwischen Düse und Umgebung.
- Geschlossenes Gehäuse für ABS, ASA und PC
- Windschild bei großen Grundflächen: der Slicer druckt eine hohe Schürze um das Teil
- Mausohren: kleine flache Scheiben an den Ecken halten die Stelle unten, an der das Abheben beginnt; nach dem Druck abschneiden
Brim, Kleber und Raft kommen zuletzt
Erst wenn die fünf Punkte darüber stimmen, lohnen sich Helfer.
- Brim — ein flacher Rand aus wenigen Bahnen rund ums Teil; vergrößert die Auflagefläche, hält Ecken unten. Bambu Studio 5 mm breit, Cura 8 mm, PrusaSlicer lässt ihn aus.
- Klebestift — dünn auf der kalten Platte, nur unter dem Teil, nicht flächig. Bei PETG auf glattem PEI ist er eine Trennhilfe — ohne Zwischenschicht haftet es so fest, dass es kaum abgeht.
- Raft — ein gedrucktes Floß unter dem Teil, der letzte Ausweg für Materialien, die auf keiner Platte halten. Kostet Zeit und die glatte Unterseite.
So prüfst du in der richtigen Reihenfolge
Starte einen Testdruck mit großer Bodenfläche, etwa den Untersetzer, und sieh die erste Schicht bei laufendem Druck an.
Stell den Düsenabstand in Schritten von wenigen Hundertstel nach — über den Z-Versatz im Slicer oder am Drucker („Live Adjust Z“ bei Prusa). Zu tief beschädigt die Druckplatte.
Mach die Platte nass. Zieht sich das Wasser zu Tropfen zusammen, ist Fett darauf; ein dünner, gleichmäßiger Film heißt sauber.
Lade das Profil des Herstellers statt Werte abzuschreiben, dann in 5-Grad-Schritten nach oben, nie in großen Sprüngen.
Vergleiche „Druckgeschwindigkeit der ersten Schicht“ und „Kein Lüfter für die ersten … Schichten“ mit dem Profil. Hörbarer Lüfter beim Start = Einstellung überschrieben.
Stell Zugluft ab, der Drucker gehört nicht neben das Fenster.
Nimm einen Helfer nach dem anderen dazu, nicht alle auf einmal.
Nach jedem Punkt ein Testdruck: Die erste Schicht liegt matt, gleichmäßig und ohne Lücken.
Diese Fehler verdecken die Ursache
- Klebestift und Brim zuerst → der eigentliche Fehler bleibt verdeckt → Reihenfolge einhalten, Helfer zuletzt
- Düse in großen Schritten tiefer → Druckplatte beschädigt → wenige Hundertstel je Schritt
- Aceton auf texturiertem PEI → Beschichtung zerstört → Spülmittel und Schwamm
Weiterlesen: Was ein zu heißes Bett mit der Unterkante macht, steht in Elefantenfuß, die Drucktemperaturen je Material in Material.






