Auf der Spule steht „lebensmittelecht“, und du willst daraus einen Trichter für Öl oder eine Dose für Kekse drucken. Das Filament ist dabei das kleinste Problem. Das Teil, das aus der Düse kommt, ist ein anderes Material als die Spule.
Das Zertifikat gilt der Spule, nicht dem Teil
In der EU regelt die Verordnung 1935/2004, dass Gegenstände im Lebensmittelkontakt keine Stoffe in gesundheitsschädlicher Menge abgeben dürfen. Die Verordnung 10/2011 enthält für Kunststoffe die Liste erlaubter Stoffe und Migrationsgrenzwerte, also Höchstmengen, die ins Lebensmittel übergehen dürfen. Beides bewertet den fertigen Gegenstand, nicht das Granulat.
Ein Filamenthersteller kann sein Rohmaterial danach prüfen lassen. Prusa nennt den Haken: Die Freigabe gilt oft „außer Rot, Orange und Pink“, weil Farbpigmente und Zusätze nicht geprüft sind. Bambu Lab stuft deshalb sein PLA außer „PLA Pure“ und sein PETG nicht als lebensmittelgeeignet ein. Naturfarbenes PETG ohne Pigment ist nach Prusa die beste Wahl.
Für kurzen, trockenen Teigkontakt wie beim Keksausstecher gehen naturfarbenes PLA und PETG gleichermaßen.
Dazu kommt die Düse. Messingdüsen entstehen auf der Drehbank aus Zerspanungslegierungen; der übliche Werkstoff CuZn39Pb3 enthält laut Datenblatt 2,5 bis 3,5 % Blei. Die Düse nutzt sich ab, der Abrieb landet im Druck. Prusa rät deshalb zu einer Düse aus Edelstahl, wenn das Teil Lebensmittel berühren soll.
In den Schichtrillen wachsen Keime
Jede Schicht hinterlässt eine Rille, und darin bleibt Milch, Fett oder Saft hängen. Prusa nennt die Rillen einen Nährboden für Bakterien, weil sie kaum zu reinigen sind. Deshalb rät Prusa von Geschirr und Vorratsdosen aus dem Drucker ab, auch aus zertifiziertem Filament.
Prusa hat es gemessen, mit drei PLA-Bechern: unbehandelt, mit Chloroform geglättet, mit Epoxid versiegelt. Alle zwei Tage kam 14 Tage lang Milch hinein, nach Minuten bis Stunden mit warmem Wasser gespült. Danach ein Abstrich von der Oberfläche und 7 Tage Kultur auf Nährboden. Ergebnis: die größten Kolonien am unbehandelten Becher, keine am versiegelten.
Trocken und kurz geht, nass und warm nicht
Die Rillen sind das Problem, und sie brauchen Feuchte und Zeit. Ohne beides passiert wenig. Deshalb ziehst du die Grenze nicht am Material, sondern am Lebensmittel:
- Unbedenklich: Kaffeebohnen und Granulat durch den Trichter, Nudeln oder Kekse in der Box mit Deckel im Beutel, die Rolle im Küchenrollen-Halter
- Grenzfall: Speiseöl durch den PETG-Trichter, danach sofort mit Spülmittel gewaschen; Obst auf dem trockenen Untersetzer für Minuten
- Nicht: Suppe, Milch, Joghurt, rohes Fleisch, Käse; alles, was Stunden liegt oder warm ist; Schneidbretter, weil Schnitte neue Rillen sind
Prusa schließt heiße Speisen, Mikrowelle und Spülmaschine auch für versiegelte Teile aus. PLA fällt zusätzlich mit der Wärme aus: ab 60 °C wird es weich, heißer Kaffee liegt darüber.
Versiegeln mit Epoxid lohnt sich für Dauerteile
Ein Epoxidharz füllt die Rillen und macht die Oberfläche glatt und dicht. Das lohnt sich für ein Teil, das oft Lebensmittel berührt und kalt bleibt: der Trichter für Öl, die Schale für Obst. Für den Kaffeebohnen-Trichter dreimal im Jahr lohnt es sich nicht.
Kauf ein Epoxid mit Freigabe nach EU 10/2011. Prusa nutzte im Test ein UV-Harz mit dieser Freigabe; ohne den Nachweis versiegelst du mit einem unbekannten Stoff.
Druck das Teil in naturfarbenem PETG mit Edelstahldüse. So kommen weder Pigment noch Blei ins Teil.
Wasch das Teil mit Spülmittel und lass es trocknen. Fett und Staub trennen Harz und Kunststoff.
Trag das Harz nach Herstellerangabe auf und lass es die volle Zeit aushärten. Unausgehärtetes Harz ist selbst der Schadstoff.
Die Oberfläche glänzt gleichmäßig, mit dem Fingernagel spürst du keine Rille mehr.
Die Spülmaschine verträgt keins von beiden
Ein „spülmaschinenfestes“ Filament gibt es unter den beiden Standardmaterialien nicht. Das Sparprogramm läuft mit 45 bis 55 °C, das Normalprogramm mit 60 bis 70 °C, Intensiv mit 65 bis 75 °C. PLA gibt ab 60 °C nach, PETG hält 68 °C. Beide liegen mitten in dem Bereich; eine Epoxidschicht schließt Prusa für die Spülmaschine ebenfalls aus.
Wasch gedruckte Teile deshalb von Hand: warmes Wasser, Spülmittel, Bürste für die Rillen, danach trocknen lassen.
Diese Fehler machen aus dem Trichter ein Risiko
- Rotes PLA, weil „lebensmittelecht“ auf der Spule steht → Pigment ist nicht geprüft → naturfarbenes PETG ohne Farbe
- Messingdüse für das Lebensmittelteil → Bleiabrieb im Druck → Edelstahldüse, 2,5 bis 3,5 % Blei bleiben draußen
- Joghurtbecher aus dem Drucker → Keime in den Rillen nach Tagen → Trockenes direkt, Feuchtes in Glas
- Versiegeltes Teil in die Spülmaschine → Hitze und Lauge greifen die Schicht an → Handwäsche, Teil bleibt kalt
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